Montag, 26. September 2011

GRAN SASSO / WATZI




Der Monte Gran Sasso, so lernte ich gestern im gleichnamigen Restaurant in Gundernhausen, liegt in Mittelitalien in der Nähe von Pescara in den Abruzzen und ist Teil der Apennin-Gebirgskette, die sich in Nordwest-Südost-Richtung 1500 km durch das Land zieht. Das erklärte mir der Wirt anhand eines Art Frühstücksbrettchen-Reliefs, das aus allerhand Glitzerschnickschnack und kleinen Wahrzeichensymbolen als Landkarte der Heimat neben einem Wandgemälde des besagten Berges hing. "Siehst du?, sagte er. "Gran Sasso isse große Watzi inne Midde vonne Italien!"

In Kalabrien stritten wir uns einmal darüber, ob es Italien an Föderalismus mangele. Der italienische Pressefotograf Simone führte dann irgendwann ausgerechnet seine Heimatstadt Pescara als Beispiel dafür an, das dies definitiv nicht der Fall sei, was die Stimmung nicht verbesserte. Dort wurde nämlich kürzlich unter anderem das Tragen von Mini-Röcken oder Hotpants unter Strafe gestellt. Auf der Basis eines neuen Gesetzes, dass Rom erlassen hatte, um den Kommunen mehr Möglichkeiten zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit zu geben.

Der Bürgermeister der kampanischen Hafenstadt Castellammare di Stabia setzte noch einen drauf und wollte daraufhin unter anderem auch noch Fluchen und Gotteslästerung unter Strafe stellen.

Am Ende wollte ich noch den Zuckersträuer klauen. Aber Jan machte mich darauf aufmerksam, dass er hier wohne. Der Espresso war ne Wucht!

Fotos: Der Vorhof des Gran Sasso, Petersburger Hängung © AH 09/2011

Sonntag, 25. September 2011

IN DER FREMDE / KINNE'


Neubaugebiet Gundernhausen Nord / Darmstadt-Dieburg
Elisabeth-Selbert-Straße


Ein Bekannter aus Hambug war vor einigen Jahren für einen Job bei dem Kunstoffhersteller Rhöm nach Darmstadt gezogen. Nach einem Jahr fragte ihn eine Kollegin: "Und? Was machst du am Wochenende?"
"Ich geh mit Freunden tanzen!"
"Was? Du bist erst ein Jahr hier und hast schon Freunde?"

Es ist nicht leicht in Darmstadt - als Fremder, der nicht von hier ist. Aber ist man erst einmal einige Jahrzente da, besticht die Urbevölkerung, die tatsächlich am liebsten unter sich bleibt, durch ihren geradezu hanseatische Zurückhaltung gepaart mit fast mediteraner Familialität, die allerdings etwas wurschtig daher kommt.

Nach zehn Jahren in seine ehemalige Stammkneipe zu gehen jedenfalls, ist auch eine Herausforderung. Am Freitag Abend schlich ich zunächst einige Male vor dem Darmstädter Riwwelmaddes hin und her, bevor ich meinen Rollkoffer hineinstemmte, um an der Bar Platz zu nehmen. Wirtin Surekha begrüßte mich mit einem coolen Kopfnicken. Der kroatische Kochkünstler Dado kam erst nach einer ganzen Weile mal aus der Küche, um mir über die Lesebrille blickend ein "Du rauchst immer noch?" zuzumurmeln. Dann wurde ich von Surekha auf den neuesten Stand gebracht:

"De Schosch hat die Anna geheirat', die haben jetzt schon zwee Kinne'..." Surekhas Sohn ist jetzt 16, "die Maike hat ach schon a Kind, das wird bald drei und bei dem Sven, der mit de Lisa zusammen war, is jetzt noch ein driddes Kind mit dazu gekomme, mit de neuen Freundin. Die Klee ist jetzt auch scho zwei..."

Ich stellte fest, dass ich wohl die einzige bin, die keine Kinder hat, denn selbst Kellnerin Andrea konnte mit zwei Kindern auftrumpfen. Aber Surekha verneinte das. Es gäbe auch welche, die keine Kinder hätten. Nach einigen Minuten des Schweigens setzte sie die Liste dann allerdings unbeirrt fort.

Ich nahm Chicken Curry - wie immer. Danach gab es noch Tresta aus Dados Heimatort und der Pornofilmproduzent neben mir bezahlte die ganze Rechnung.


Foto: Neubaugebiet © AH, 09/2011
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Donnerstag, 8. September 2011

MELDUNGEN DES VORGESTRIGEN TAGES




"Vorgestern" sagt man nicht in einem blog. Aber irgendwie muss ich wieder mal was schreiben und besser vorgestern sagen als mit diesem Bild zu beginnen, dass den Bunker zeigt, in dem sich der Mafia-Boss Giovanni Puntorieri versteckt gehalten hat. Da war ich vor fünf Wochen.

Vorgestern jedenfalls habe ich eine Lesung im Restaurant Sale e Tabacchi verpasst, der ein maskierter 'Ndrangheta-Kronzeuge beigessen hat, wenn ich das nicht auch wieder in den falschen Hals bekommen habe. Viel interessanter war jedenfalls sowieso das Geschehen im 4. Stock des taz-Gebäudes. Aus dem Fenster hinaus blickend wollten einige Kollegen im Ticker am Axel-Springer-Gebäude so etwas gelesen haben wie: "Italienischer Gastronom Piero in seinem berliner Restaurant von der Mafia erschossen worden." Oder so.

Als ich da oben rumhing, kam gerade eine Berlin-Redakteurin ganz aufgeregt herbei gerannt und beschimpfte den Hausmeister, weil er ihr darüber nicht Bescheid gegeben habe. Heiße Meldung eben.

Am Ende stellte sich raus, dass lediglich George Michael vorgehabt habe, am Abend im Sale zu essen. Wenn das überhaupt stimmt.

Foto: "Villa Bunker" - Museo della 'Ndrangheta, Reggio Calabria, Italia © `Nto, 07/2011
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