Donnerstag, 26. Mai 2011

EXISTENZ / KLEINVIEH


Existenzgründung vor seinem großen
Vorbild in der Charlottenstrasse



Aller Anfang ist klein. Der Imbiss in der Charlottenstrasse ist das Ergebnis einer der vielen Existenzgründer-Angebote um das Jobcenter herum. Bei der Gestaltung seines kleinen Unternehmenskomplexes hat er sich an der Ästhetik des großen Heuschreckenhauses - dem GSW-Gebäude - orientiert. Aus irgendeinem Grund hab ich in Berlin noch nie einen Job gemacht, der nicht von diesem Gebäude überschattet wurde. Komisch komisch.

Ähnliche Vorbilder wie der Currywurst-Mann hat wohl auch die Betreiberin einer Krankengymnastik-Praxis Claudia K. aus B.
Mit ihr habe ich anscheinend im Frühjahr 2010 bezüglich eines Entspannungstrainings telefoniert, für das meine Krankenkasse die Kosten fast vollständig übernommen hätte. Sie wollte mir dazu Informationen schicken. Vor einigen Wochen nun bekam ich ein Inkasso-Schreiben mit einer Mahnung und einer Rechnung von etwa 130 Euro. Binnen kürzester Zeit schnellten die Kosten auf über 180 Euro hoch. Nach meinem Widerspruch behauptete sie in einem Anschreiben an das Inkasso-Büro, ich habe mich bei ihr damals verbindlich angemeldet und hätte 3 Tage Widerspruchsfrist gehabt. Die Briefe des Inkasso-Büros tragen immer das Datum von vor fünf Tagen und ich hab dann auch wieder 3 Tage Zeit zu reagieren.

Das mach ich auch. Ich melde irgendein Gewerbe an und dann verkaufe ich Forderungen gegenüber Personen, mit denen ich mal telefoniert habe und deren Adresse ich kenne an ein Inkasso-Büro. Klassisches Kleinvieh. Und besser als leere Flaschen sammeln allemal.

Man muss nur findig sein. Das beten auch all die Seminarleiter hier in der Charlottenstrasse rauf und runter.

Freitag, 20. Mai 2011

FREIE NEUKÖLLNER SCHULE / ENDLOSSTREIFEN

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Neukölln - Friedelstrasse
fast ohne störende Ob- oder Subjekte


Exodos heißt der letzte Film des Filmkollektivs Sender Freies Neukölln, der gestern noch einmal in der Hauskneipe in der Pannierstrasse gezeigt worden ist und, den ich "unbedingt anschauen" sollte. Der Film ist frei verfügbar als Commons eingestellt und kann von jederfrau unter Nachweis von 5 Sitzplätzen runter geladen worden.

Der Plot des Endlosstreifens in broken english - womit aus der Not eine Tugend gemacht wurde, wie es mir scheint - läßt sich etwa so zusammen fassen:

Ein Fotograf mit Strumphosenfetisch begegnet im Griechenland-Urlaub einer jungen Griechin, die von einer Nachbarinsel an seinen Strand geschwommen ist und ihm später nach Berlin nachreist - denn da gehtwas ab.

Der Fotograf hat indessen ein Mädchen kennen gelernt, die sich rührend um seine Erektionsstörung sorgt und deshalb nachts auf einer der üblichen Schlaferektionen wartet, um ihm dann zum Akt zu verhelfen. Die Griechin trifft in Neukölln auf eine Barbetreiberin, die sie wegen ihres mangelnden ökologischen Bewußtseins anblafft. Sie beginnen eine klimaneutrale Vögelbeziehung. Zwischendurch gibt es noch vom Sender Freies Neukölln das Top News Special, dass es der Mutter Erde mit den Menschen und all dem Müll langsam reicht.

In dieser Zeit entdeckt auch der Fotograf durch seine Freundin, die unter dem EInfluss eines Bioladenbesitzers steht, sein ökologisches Moment, was ihm zu einem künstlerischen Durchbruch verhilft. Als er daraufhin beschließt, auszusteigen und dafür einen Kleinbus von der Barbetreiberin erwerben möchte, begegnet er der Griechin wieder (die eigentlich - multikulti - Türkin ist) und fährt mit ihr in die Türkei, der Heimat ihrer Vorfahren. Dort sammeln sie gemeinsam am Strand Müll auf. Die Freundin des Fotografen hingegen bleibt zurück. Dem ganzen biodeutschen Mülldiskurs fehlte an jedwedem Geist oder Witz - dumpfer Ökounsinn, misslungen ironisch gedreht. Das Niveau der langweiligen Umwelt-Dialoge hatte bei "...aber es gibt kein richtiges Leben im Falschen" seinen intellektuellen Zenit erreicht.

Am ödesten aber war dieser blöde Sexismus. Hübsche Frauen, die um den dicklichen Hauptdarsteller mit dieser schrecklichen Stimme kreisen. Hauptsache die Frauen machen ne gute Figur. Völlig daneben.

Immerhin ahnt das Filmkollektiv, dass es was zu lernen gibt. Man hatte am Tag zuvor die auch im Film Zurückebliebene in Berlin gelassen, und war nach Barcelona gereist, um dort an der Revolte teilzuhaben. Oder uns "von dort zu berichten", wie man uns sagte.

Ich glaube, das letzte Mal war ich so sauer, als ich 2007 von der Konferrenz ‘9to5.Wir nennen es Arbeit’ im Radialsystem nach Hause ging. Verzweifelte Projektemacher mit der Hoffnung auf hilfreiche Einfälle wurden von einem Laber-Panel nach dem anderen enttäuscht. Zuvor war diese Veranstaltung geradezu als der Beginn einer neuen Zeit - eines revolutionären Umbruchs angekündigt worden. Total daneben. Das Problem bei Sascha Lobo & Co. ist, dass sie sich schon als Avantgarde begreifen, weil sie blogger sind.

Auch völlig daneben war dann heute die Feministin Maren K. bei Maybritt I. zum Thema DSK. Nach ihren Gedanken zu "dem Vorfall in NY" gefragt, beeilte sie sich, ihrem Mitgefühl für den gescheiterten Präsidentschaftskandidaten Ausdruck zu verleihen: So ein gut aussehender und charmanter Mann habe doch "kein Zimmermädchen nötig!" und könne doch leicht "Frauen seines Niveaus" haben. Vielleicht, sagte sie noch weiter vor sich hin grübelnd, hätte es sich bei dieser Frau ja auch um eine Prostituierte gehandelt. Männer in seinen Positionen stünden ja sehr unter Druck, da müsse man auch etwas nachsichtig sein. Ohlahlah!
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Montag, 16. Mai 2011

EINE FRAU LIEST NICHT / DIE ANDERE LIEST AUCH NICHT



Auf der Buchnacht am Samstag versuchte ich Ulrich E. einen Aspekt der Dialektik zu erklären, wie ihn Zizek letzte Woche in der Volksbühne erklärt hatte. Und zwar an unserem Dilemma:

Erst las nämlich eine Frau nicht. Und dann die andere auch nicht. Das ist allerdings nicht das selbe, ob die eine nicht liest oder die andere nicht. Weil es eben nicht die selben Frauen waren, die nicht gelesen haben. Es fehlte uns also in jedem Fall etwas anderes. Ich weiss nicht, ob Ulrich mich in dem Moment klug fand, als er so weise lächelte und sagte: Du meinst, der Schmerz ist für uns immer ein anderer?

Das stimmt - meinte ich aber nicht.

Zizek hatte dafür natürlich eine total komische Geschichte parat:
Geht einer ins Café und bestellt einen Kaffee ohne Sahne. Sagt der Kellner: Wir haben leider keine Sahne, ich kann Ihnen höchstens einen Kaffee ohne Milch bringen.

Im Werkbundarchiv war Inge F. dann ganz glücklich darüber, dass auf jeder Etage ein D fehlte.

Dort lasen viele Menschen, zu viele, über zu viele Begriffe. Das war vielleicht eine gestalterische Strenge. Lesikon. Es fehlte also an gar nichts. Auch komisch. Dem Iraker in der Stadtbibliothek fehlte es dann an Humor. Anders als Abbas Khider später im Max & Moritz. Dem fehlte nur noch Wladimir Kaminer an seiner Seite.
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Donnerstag, 12. Mai 2011

COSMOPOLITAN / MARBURG

Lidl-Apfel mit Schleife
ohne Bonuspunkte


Das Spargelessen gestern Abend diente eindeutig der Schwächung meiner Streitkraft. Spargel kann eine leichte Mahlzeit sein. Ohne Stefans Soße. Allan, der aus New York zu Besuch war, erzählte dafür leichte Geschichten. Zum Beispiel von einer neuen Comedy Show mit einem besonders zickigen Moderator. Und, dass es in Brooklyn einen neuen Club gäbe, von dem ihm neulich einige Freundinnen erzählten, es sei ein lesbischer Laden. "Und woher wisst ihr, dass der lesbisch ist?", fragte er seine Freundinnen."Behaupten das die Betreiber?" "Nein, die Leute sagen das." "Und woran erkennt man das?" "Das wissen wir nicht - wir können doch mal hin gehen und es herausfinden!" "Und wie?", fragte er dann.

"Wir schicken einfach Linda vor. Sie geht rein, läßt einen Apfel fallen und wir gucken, wie die Frauen reagieren."

Auf dem Rückweg ließ ich mich zu einem Café mit Schnaps in der Orya Bar am Oranienplatz hinreißen. Von zwei Damen, die den Beweis lieferten, dass den ganzen Abend weiter Jever trinken einen auch nicht frischer wirken läßt.

Neben mir saß Tunc und erzählte von einem ganz verrückten Ort in der Nähe von Fethiye. Dorthin kämen ganz andere Türken als die, die ich kenne und auch viele Neuseeländer und Australier. Tunc hatte riesige Dreadlocks und drehte einen Joint nach dem anderen. Ein Zug davon warf mich wieder weit zurück. Etwa an den Punkt, als ich den letzten Happen Sauce Hollondaise verspeist hatte. Dann erzählte er noch, er sei in Marburg aufgewachsen. Eine ganz verrückte Stadt wäre das - ein bisschen so wie Berlin.


Ich überlegte noch, ob ich einen Cosmopolitan bestellen sollte.
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Sonntag, 8. Mai 2011

BLUMENKÜBEL UMGEFALLEN / FASSUNGSLOSIGKEIT


Ein grauenerregender Anblick bot sich gestern Abend den Mitarbeitern der taz-Redaktion in der Berliner Rudi-Dutschke-Straße. Der Blumenkübel neben der Einganstür zum taz-Café war mutwillig umgestoßen worden. Für die skrupellose Tat gibt es keine Zeugen.

aber taz ist doch so lieb!
























Donnerstag, 5. Mai 2011

NEUKÖLLNER MODELL / REIHEN


Wieder das Neuköllner Modell
Eine Reihe Holzpflöcke, die uns den Holzpflock im allgemeinen erläutern soll?


Eine Reihe von Mannern geschriebene Kolumnen lösten in letzter Zeit Verwunderung in mir aus. Wenn nicht gar ein wenig Verärgerung. Deshalb beobachtete ich sie eine Weile. Ich vermutete eine verquetschte Frauenfeindlichkeit in diesen belanglosen Texten, in denen hier mal eine Frau nicht zur Verabredung im Restaurant erscheint oder dort eine andere mit ihrem Erscheinen im "Club" nervt. Fast immer in Neukölln angesiedelt - da spielt nun einmal gerade die Musik - handelte es sich ausschließlich um recht langweilige Alltagsgeschichten, in denen irgendwie auch Frauen vorkamen aber in irritierender Weise: Sie fanden immer ausschlißlich in Bezug auf den Autor statt. Kein eigenes Gesicht, kein erkennbares Wesen erzählt von einer Begegnung mit einer Frau. Eher noch erzählten die Geschichten etwas über die Autoren, die sich - und das könnte man ja auch schlicht etwas tragisch finden - an dem anderen Geschlecht abarbeiten, als sei es etwas unerhört Fremdes. Und so blieb es auch imer etwas unerhört Fremdes. Und indem diese weiblichen Wesen als einzelne in einer Reihe erzählt werden, hat sie der Autor quasi verallgemeinert für die Frau an sich aufgestellt, für die er Beweise finden muss - mal kommt eine nicht, und dann wieder die andere auch nicht.

Vielleicht bin ich aber gerade auch nur eine frustrierte und obendrein spitzfindige dumme Kuh, die aus allem gerade eine Feminismus-Debatte machen muss.

An dieser Stelle noch ein Zitat aus einem libyschen Roman, in dem eine Frau für die Zukunft ihrer Tochter folgendermaßen ihre Hoffnung zum Ausdruck bringt: "..., nein, ein richtiger Mann, einer, der sie nicht schlägt!" Keine Ahnung, welcher Roman das war.

Eigentlich wollte ich hier über die Liebe schreiben - das mache ich auch noch. Aber man kann nicht über die Liebe schreiben, wenn man gerade so ein gutes Auge hat, für Töpfe, in die man alles rein werfen kann. Es gibt diese zwei Momente, in denen das gut geht.

Wieder verpasst.
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Mittwoch, 4. Mai 2011

BAUMSCHEIBE KOTTBUSSER DAMM / KNÜLLERKISTE


Vor der Knüller Kiste am Kottbusser Damm fiel ich gestern über dieses Anwesen.

Was soll man dazu sagen? Höchstens, dass ich dringend noch ein scharfes Foto davon brauche.