Sonntag, 27. Februar 2011

LIEBES LEBEN / AM ROLLBERG

.
.
Liebes Leben, fang mich ein,
halt mich an die Erde.
Kann doch, was ich bin, nur sein,
wenn ich es auch werde...

Konstantin Wecker


Eine Baumscheibe in der Mainzer Strasse. In dieser Gegend hat sich ein kleines Polen entwickelt. Fast jeder Laden, meist Musik Cafés, wird hier von polnischen Einwanderern betrieben. Auch auf der anderen Seite der Karl-Marx-Strasse gibt es einige polnische Geschäfte. Komischerweise bemerkt man das alles aber kaum. Die zweite Baumscheibe ist die vor dem ehemaligen Institut für Raumforschung - Space Academy. Nun verwarlost die Instalation. Scheinbar sind die Künstler umgezogen. Und lösten damit direkt einen broken windows effekt aus. Sollte es gar abwärts gehen mit dem Kiez? Man könnte ihn ja vielleicht auch runterschreiben.

Der Tag war klar wie ein Kristall und über dem Tempelhofer Feld war der Himmel wunderbar weit. Vollkommen verfrüht trällerte ich da ein Sommerliedchen vor mich hin. Was meine Begleiter irritierte. Diese Berliner. Deshalb bin ich doch kein schlechter Mensch! Ich kenne sogar nette Leute, die finden Reinhard Fendrich gut. Und von dem Iren hätte ich auch etwas Gesangsfreude erwartet. Der aber blies Trübsal, wegen der Wahlen in der fernen Heimat. Nun, wo alles bleibt wie gehabt, nur anders, werden etwa 50.000 Auswanderungen erwartet. Neuer Stoff für noch mehr irische Schlager. Wo nicht gerade Krieg oder Krise ist, werden Diktatoren verabschiedet - und auf dem Flugfeld werfen Väter mit ihren Kindern glitzernde Drachen in den Himmel. Hübsch sah das aus.

Am Abend war ich dann das erste Mal im Rollberg Kino. Dort arbeitet die herzlichste Ticketverkäuferin der Stadt. Während auf der Hermannstraße schon vereinzelt Szeneläden eröffnen, merkt man der Rollberg Passage die Gentrification noch gar nicht an. Man muss seelisch sehr stabil aufgestellt sein, um da durch zu laufen. Der würden ein paar Space Academies vielleicht mal ganz gut tun. Aber sowas soll man nicht sagen. Krieg ich wieder Ärger.

Im Syndikat in der umkämpften Weisestraße dann, nach dem Film, war die Welt wieder in Ordnung. Politisches Trinken findet man ja im Westen kaum noch. Bei roten Rollberg erzählte Ulrich von seiner Venezuela-Reise. Er konnte bestätigen, dass es dort tatsächlich während der letzten zwei Wochen kein einziges Mal geregnet hatte.












Donnerstag, 24. Februar 2011

BAUHAUS / BLAUE REIHE



Eine Baumscheibe vor dem Bauhaus in Dessau. Einmal mit und einmal ohne Maßstab.
Mein charmanter Begleiter meinte zu den Bildern, sie wären etwas richtermäßig. Jedenfalls wieder eine Arbeit zur Blauen Reihe. Mein Telefon entscheidet so etwas in bestimmten Stimmungslagen einfach.













Sonntag, 13. Februar 2011

TOMATE IN SCHALE


Heute morgen hatte sich die blasse Hollandtomate in Schale geworfen. Chic.

Mittwoch, 2. Februar 2011

REISEFIEBER / STREIK GDANSK



Blick aus meinem Zimmer im Hotel Zappio in Gdansk
das vielleicht so heißt, weil man hier 178 Fernsehsender empfängt


Als Kind bin ich lange Jahre am Tag vor jeder Urlaubsreise mit der Familie krank geworden. Das war wohl immer so aufregend für mich, dass spätestens das Kofferpacken am Abend mein Immunsystem zusammenbrechen ließ und der Kinderarzt geholt werden musste - der bei einer 39 °C Fieber stets souverän entschied: Fahren! Die Luftveränderung wird dem Kind gut tun.

Weil dies jedes Mal die Frage aufwarf, ob der Urlaub abgeblasen werden musste, hatte meine Mutter irgendwann die Idee, mir erst am frühen Morgen zu sagen, dass wir jetzt in den Urlaub fahren. Der Fieberschub kam dann tatsächlich erst etwa bei Bebra. Da hatten wir es dann nicht mehr weit und die Luftveränderung würde dem Kind ja sicher gut tun.

Am Urlaubsort (viele Jahre ein Feriendorf am Fusse des Kreuzbergs in der fränkischen Rhön) musste man mich Fieberbündel nur noch in ein Bett des mit Nut- und Federbrettern ausgekleideten Ferienhäuschens irgendeines Bottroper Spießers legen. Wenn ich dann nach einer Woche auf zittrigen Beinen das erste Mal die Terrasse betrat, hatte mein Bruder schon alle Kinder in unserem Alter kennen gelernt, meine Mutter einen halben Baumwollpullover gestrickt und zwei Aquarelle gemalt, mein Vater spielte schon seit Tagen jeden Nachmittag mit der blonden Nachbarstochter der Köllner von gegegenüber Softball und unser Dackel Isolde hatte den in der Siedlung eingemieteten afroamerikanischen GIs längst klar gemacht, das hier nun Rassentrennung herrscht. Was meine Mutter amüsant fand, meine Schwester überhaupt nicht, und die beiden deshalb jeden Tag darüber stritten, ob man Dackel erziehen kann. Oder wenigstens an noch dickeren Baumstämmen festbinden.

Bis heute packe ich meine Tasche erst 20 Minuten bevor ich zum Flughafen muss - bis dahin rede ich mir ein, dass ich gar nicht fliegen werde. In die Tasche kommen nur dreckige Klamotten, da ich ja auch nicht gewaschen habe. Das garantiert wenigstens einen beschwerdefreien Anreisetag. Am zweiten Tag bietet sich dann die Gelegenheit, die örtliche Apothekenszene zu sichten und sich mit landestypischen Medikamenten zu versorgen. Alternativ dazu können Reisen aber auch spontan angetreten werden. In diesem Fall reagiert mein Immunsystem zu träge und bricht erst auf der Rückfahrt zusammen.

Diesmal wollte ich es anders machen. Ausserdem musste ich mir für die Reise Urlaub nehmen. Geplanter geht es nicht. Also kämpfe ich mich seit Tagen schlotternd durch eigenartige Interview-Situationen. Den Rest gegeben hat mir gestern der Besuch einer Künstlerkollonie auf der ehemaligen Lenin-Werft. Ein Teil der Gruppe saß da rum und erwartete irgendetwas. Das, was ich - eigentlich erwartungsgemäß - fragte, war es offensichtlich nicht. Die meisste Zeit überlegte ich mir, wie wir da schnell und höflich wieder weg kommen. Auf die scheinbar deplazierte Frage, ob sie etwas gegen ihren Rausschmiss aus dem Gebäude dort unternehmen wollen und sich als Gruppe etwas überlegt hätten, antworteten zwei von acht befragten Personen "Wir gehen nach Berlin" und eine konnte für die gesamte Gruppe sprechen, als sie mir mit einem weisen Lächeln sagte: "Das machen junge Künstler. Wir sind aus dem Alter raus. Künstler sind im Allgmeinen mit ihrer Arbeit beschäftigt und damit mit sich selbst!"

Das wusste ich bisher gar nicht.

Ein Satz fiel in jedem Interview, egal mit wem ich sprach: "tja, wenn die Behörden nichts tun...? Das ist Sache der Politik."

Auf dem Weg zurück ins Hotel war ich depremiert und dachte mir, dass ich mal wieder in die Falle getreten war, zu glauben, ich wüsste, wann ich hier wen sprechen werde, und was für eine Geschichte dabei raus kommt. Nur weil ich mir Urlaub genommen und Kasia alle Termine vorher organisiert, mir jeden Wunsch von den Lippen abgelesen hatte. Alles so schön geplant. Wäre mir das jedoch gestern alles einfach passiert, hätte ich gefunden, dass das eine gute Geschichte ist.

Auf dem Weg hielten wir noch spontan an einer Kneipe an und der Rest der Redaktion wurde angerufen und kam herbei geeilt. Auf Empfehlung der Wirtin gab es Wodka mit Pfeffer. Zu spät. Heute streike ich. Oder besser: mein Körper. Aber die Luftveränderung wird ihm sicher gut tun.
.
.

Dienstag, 1. Februar 2011

taz / GDANSK


Mit Freude nahm ich zur Kenntnis, dass sich die taz für die weitere Zusammenarbeit mit Krytyka Politycna bereits ein Büro auf der gleichen Etage eingerichtet hat.

taz-Gdansk kann natürlich keiner aussprechen - das sehe ich ein.