Sonntag, 28. Februar 2010

ISTANBUL / BARABAR BAR

baba baran barabar bar_Istanbul


Das war natürlich Quatsch mit der Barbara Bar. Das hatte ich falsch verstanden. Ich war ein wenig betrunken.

Die Barbara Bar ist eine Tür weiter und wird von Baran betrieben, der ein guter Freund von Barcin ist. Hier in der Türkei gibt es so einen endlosen Witz mit der Barabar Bar. Und das kam so:

Baba Baran hat nämlich eine Bar, die er Barabar genannt hat. Als er Vater wurde, nannten seine drei Neffen Bahar, Baglan und Bariş die Bar in Baba Baran Barabar Bar um. Sein Freund Barcin machte diese zu seiner Stammkneipe und der sitzt nun seitdem abends endlos lange da rum, nervt die Bedienung, und strickt weiter an diesem Satz.., das letzte, was ich notieren konnte war... Baba Baran Baglama Bara Bahar Baron Barabar Bar. Oder so. Ich kann ja kaum Türkisch.

Und es gibt Live Music (Baglama).
Und Efes.

ISTANBUL / HAYMATLOS

Raucherecke Baraka Bar_Istanbul

Gestern Abend besuchte ich meinen Freund Serkan an seinem Arbeitsplatz - der Baraka Bar (Türkisch für Barbara-Bar). Er ist einer der begabtesten Gesellschafter der Türkei und so hatte ich schon nach wenigen Minuten ein angeregtes Gespräch mit dem Who is Who der Stadt. Vornehmlich zugereiste Europäer - und so erzählte wir uns im gewohnten Pidgin English woher wir kommen, was wir hier machen und wie es mit dem Türkischkenntnissen steht.
Gundem, die einen Franzosen im Schlepptau hatte, erwies sich dann am späten Abend noch als Zwergin - irgendwie muss sie es zuvor bewerkstelligt haben, immer auf einer Treppe oder einem Absatz zu stehen, oder einem Barhocker, ohne dass ich es bemerkt hatte. Ich bin immer ganz unsicher, wenn jamnd kleiner ist als ich. Später zogen wir weiter ins "Haymatlos", einem neuen Kulturverein für nomadische Musik. Die beiden Zyprioten, die wir dort treffen sollten sahen schwer nach Zigeunern aus. Haben sich mir aber nicht so vorgestellt.

In dem Maße, wie hier die Zigeuner- (Roma) Viertel eingerissen werden, entstehen zahlreiche Romakneipen und Bars mit Live-Musik, die gerade von der türkischen Bevölkerung mit Begeisterung angenommen werden. Die Suche nach "Rumeli Café Istanbul" in Google ergab rund 120.000 Treffer.

Samstag, 27. Februar 2010

ISTANBUL / BIRNE ALLA AMERIKANA

Ich
Istanbul_Elmadag Caddesi


2000 Kilometer fliegen, um zu schlafen - das nenne ich dekadent und klimafeindlich - Und das ist auch das Heizungssystem hier: dieses Zimmer ist komplett überheizt und draussen ist es arschkalt. Heizung regulieren funktioniert alla amerikana: Fenster auf.
Da man bei dem Lärm, den die Großbaustelle, die tollen Typen in ihren Sportwagen und die Leute, die irgendetwas verkaufen wollen (Fisch, Gas, Strümpfe u.s.w.) unmöglich schlafen kann, dann aber doch nachts das Fenster schließen. Morgens dann eine Birne haben, als hätte man 3 Flaschen Raki getrunken und wäre anschließend neben einem großen Lagerfeuer eingeschlafen. Apropos Birne und Lagerfeuer:

Alla amerikana ist nun auch mein Schopf. Ich war gestern beim Frieseur hier in der Straße - so ein kleiner Dorffriseur im 3. Stock, wo noch allerhand Frauen rumsaßen, tratschten und Kaffee tranken. Eine Empfehlung des Hausmeisters. Jetzt sehe ich aus wie ein gerupftes Huhn. Und meine Nase ist igendwie größer geworden.
Der Frieseur war so überglücklich, dass er einen Kurzhaarschnitt machen durfte. Er fragte: sehr kurz? ich sagte: naja, kurz. Daraufhin war er nicht mehr zu bremsen.

Er schnitt erst kurz, nahm so eine komische Schere mit Krokodilzähnen und erzählte dann uns Damen, wie er, als er damals in England gearbeitet hatte, einer amerikanischen Schauspielerin kurz vor einem neuen Dreh genau diesen Haarschnitt gemacht habe. Die Koleginnen nickten müde lächelnd - ich vermute, sie kannten die Geschichte schon. Dann schlug er zu.
Es muss Milla Jovovich gewesen sein. Vor den Dreharbeiten zu Johanna von Orleans, von Luc Besson. 1999 war das. Das kommt hin. Die Premiere war dann am 11. Februar 2000 ausgerechnet in der Türkei. Die hat allerdings eine andere Nase - da kann man das vielleicht machen. Ich erinnere mich, dass sie wunderbar aussah. Ich wollte damals aussehen wie sie.

Aber: heute auf der Strasse dann war ich endlich wieder das perfekte Chamäleon: "Hühüzün dül nerede taksim war bilyor misiniz?", oder so ähnlich fragte man mich an jeder Ecke, wie es denn da oder dort hinginge, und war wieder erschüttert, dass ich kein Türkisch spreche - um mich herum nur Ausländer... Aber mit dem Haarschnitt konnte ich das kaum sein.

Ich war auf der Suche nach Glühbirnen. In der Nacht war ein grünes Ufo über der Strasse aufgetaucht und hatte mein Zimmer taghell erleuchtet, um dann irgendwann unverrichteter Dinge zurück zur Großbaustelle zu schwenken. Am nächsten Morgen hatten 3 Birnen den Geist aufgegeben. Doch nirgends ein Glühbirnengeschäft. Irgendwann habe ich zwei gammlige Dinger erstanden, die in einem Regal eines Elektroniklädchens rumlagen und die drei Angestellten mussten erst mal rumtelefonieren, um herauszufinden, dass die eine 75 Kurus und die andere 1 Lira kostete. Eigentlich wollten sie mir eine viel teurere und klimafreundliche Energiesparlampe andrehen, die sie irgendwo gefunden hatten, aber nach einer halben Stunde kannte noch immer niemand den Preis. Mein Cay war alle und so kaufte ich die ollen Birnen. Dann bin ich um die Ecke in die "Ergenekon Caddesi" eingebogen und rechts ab: eine Strasse nur mit Elektrohändlern. Glühbirnen bis unters Dach. "Kac Watt?", fragte mich der Mann am Tresen, als wäre das ganz normal, dass man Glühbirnen in allen Stärken, Größen, in klar, matt, rosa oder blau kaufen kann. Ein Kaufrausch war die Folge. Und der Ladenbesitzer hielt mich für komplett bescheuert, weil ich dann noch ein Foto von den Dingern im Regal machte.

Orhan hat jetzt auch Glühbirnen bis unters Dach.

Am Abend war ich noch ein Bier trinken - auf dieser Reeperbahn-ähnlichen Veranstaltung längs der Istiklal. Als ich nach einem kurzen Abstecher in eine Bar aus der Nevizade Sk. kam, kotzte ein Typ direkt neben meine Füße. Dann ging ich nach Hause.

Freitag, 26. Februar 2010

ISTANBUL / POLLER

Cihangir_Istanbul

Ich war heute in Cihangir unterwegs, weil ich dort eine Freundin in ihrem Café besuchen wollte - fühlte mich dann aber doch noch zu müde und kaufte stattdessen einer der sehr begabten Istanbuler Bekleidungsfachverkäuferinnen eine Bluse ab - ohne zu handeln - und lief danach glücklich kreuz und quer. Cihangir ist ja das bisher am erfolgreichsten gentrifizierte Viertel hier und direkt umme Ecke. Im Supermarkt knallte dann der Verkäufer auch die Tomaten genauso auf die Waage, wie ich an manchen Tagen das Bier auf den Tresen, wenn mir diese ganze Scheiße in der Oranienstraße zu dicke wird...

Als Baumscheibenfetischisten habe ich hier nicht viel Freude. Aber Poller: toll. Also habe ich einige photographiert.

Bei den beiden Pollern vor dem schönen Hintergrund (Topkapi Serail) handelt es sich wohl um einen handelsüblichen Zwillingspoller in Stahl und einen gemeinen von der Sonne geschmolzen Wegschmeißpoller in Plaste, rotweiß. Das im Mittelgrund (sagt man das so?) sind keine Poller sondern hierzulande ganz legale Minarette.

ISTANBUL / SIGARA ICILMEZ

Schuhladen Istiklal / Tünel

In diesem Schuhgeschäft kaufte ich vor 4 Jahren ein Paar zuckersüße pinke Schläppchen. Für umgerechnet 10 Euro - und sie laufen noch.
An diesem warmen Nachmittag schlenderte gerade eine junge Türkin auf der Suche nach einem niedlichen Schnäppchen zwischen den Regalen rum. Dabei genoss sie eine Zigarette. Hier und da fiel ihr die Asche auf den Boden, doch der Verkäufer, der sich an ihre Sohlen geheftet hatte, verzog keine Mine. Nachdem sie gegangen war, ohne etwas zu kaufen, fegte er die Asche weg und wandte sich mir zu: "buyrun?"
Das fand ich lässig.

An einem Sommerabend etwas später habe ich mal beim Rauchen und Telefonieren am Landwehrkanal durch all zu heftiges Schaukeln meiner Füße eine dieser Sandalen verloren. Sie fiel ins Wasser und bewegte sich dann mal näher, mal weniger nahe der Böschungsmauer von der Admiralbrücke in Richtung Hallesches Tor. Ich ihr immer nach. Kurz vor dem Bahnhof ergab sich eine günstige Gelegenheit. Ich fiel über einen zugekifften Freak, der im Gebüsch saß und wir warteten gemeinsam, bis die Sandale auf unserer Höhe war. Solange lauschte ich seinen Sorgen. Das waren wirklich Sorgen. Er hielt mich also an den Füßen fest und ich fischte mit einem Ast die Sandale raus. Die ganze Zeit dachte ich an diesen Laden und wie froh ich über den Kauf gewesen war.

Heute kam ich wieder daran vorbei. Zuvor war ich gegenüber im deutschen Buchladen gewesen. In den Buchläden der Oranienstraße ist angeblich der neueste
"schröder erzählt" großes Thema während das in der Gneisenau überhaupt kein Thema sei. Aber auch in der Istiklal hatte man dazu nicht recht was zu sagen.

Der Schuhladenbetreiber schmiss heute alles zum halben Preis raus, weil er wohl schließen muss oder will. Es waren kaum noch Schuhe im Regal. An der Wand ein riesiges "Rauchen-Verboten-Schild". Das ist doch wirklich alles scheiße, dachte ich.